Dark Universe

Dass Universal seit einiger Zeit damit beschäftigt ist, seinen Horrorklassikern neues Leben einzuhauchen, dürfte bekannt sein. Nun hat das Studio seinem Cinematic Universe auch einen Namen gegeben: "Dark Universe".

Dark Universe

Philipp Noltensmeier

24 / 05 / 2017


Dass Universal seit einiger Zeit damit beschäftigt ist, seinen Horrorklassikern neues Leben einzuhauchen, dürfte bekannt sein. Nun hat das Studio seinem Cinematic Universe auch einen Namen gegeben: "Dark Universe".

Am 8. Juni startet der erste Film, "The Mummy", in den Kinos, am 14. Februar 2019 soll "Bride of Frankenstein" folgen und anschließend, noch ohne Starttermin, "Der Unsichtbare".

v.l.n.r.: Russel Crowe, Javier Bardem, Tom Cruise, Johnny Depp, Sofia Boutella.
© Universal Pictures

Obwohl Regisseur Alex Kurtzman festellte: "Wir schulden dem Publikum einen Monster-Film", wird "The Mummy" im Presseheft nicht etwa als Horrorfilm angekündigt, sondern als "action-adventure event", mit Tom Cruise in der Hauptrolle und einem deutlichen "Indiana Jones"-Einfluss, was den Trailern nach zu urteilen überraschend gut funktioniert. In Interviews unterscheidet Kurtzman deutlich zwischen Monsterfilmen und Horrorfilmen.

Kurtzman hat als Regisseur vergleichsweise wenig Erfahrung, dafür umso mehr als Autor. Einen Horrorfilm sucht man in seiner Filmographie vergebens, dafür findet sich angefangen von "Xena" und "Herkules"-TV-Episoden über die "Transformers"-Filme bis zum "Star Trek"-Reboot eine stattliche Anzahl monströser Abenteuer in seinem Portfolio, die ihn als Aufsichtsperson für ein gigantisches Unternehmen wie das Dark Universe empfehlen.

v.l.n.r.: Alex Kurtzman, Sofia Boutella, Tom Cruise, Annabelle Wallis, Russel Crowe.
© Universal Pictures

Die erste Universal-Monster-Serie begann 1931 mit Tod Brownings "Dracula"-Verfilmung und regte das Studio damals schon zur seriellen Produktion an. Es folgten u.a. "Frankenstein" (1931), "The Invisible Man" (1933), "Dracula's Daughter" (1936), "The Wolf Man" (1941) und einige Jahre später trafen die Figuren in den Filmen "House of Frankenstein" (1944) und "House of Dracula" (1945) aufeinander.

Dass man sich heute für den Mumien-Stoff als Einstieg in das Dark Universe entschieden hat, ist aus mehreren Gründen nachvollziehbar (dass aus "Bride of Frankenstein" der zweite Kinofilm der neuen Reihe werden soll, verwundert schon eher?)

© Universal Pictures

"The Mummy" ist sicherlich der modernste und wandelbarste Stoff der klassischen Universal-Horrorfilme. Während die damals zuvor produzierten "Gothic-Horror"-Filme "Dracula" und "Frankenstein" auf in den Jahren 1897 und 1818 veröffentlichten Romanen von Bram Stoker und Mary Shelley basierten, entwickelte man 1932 den 'Mumie'-Stoff eigenständig, angesiedelt im Produktionsjahr, inspiriert durch die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun durch den Ägyptologen Howard Carter 1922. Ein sensationeller Fund, der in den 20ern zu einem Höhepunkt der im 19. Jh. begonnenen 'Ägyptomanie' und zum ersten Medienhype seiner Zeit führte.

Die Annahme, dass die Öffnung des Tutanchamun-Grabes in den folgenden Jahren mehrere Forscher das Leben kostete, verstärkte dieses Interesse und regte die Fantasie der Öffentlichkeit an. Auch wenn Arthur Conan Doyles Kurzgeschichte "Lot No. 249" (1892) und Bram Stokers 1903 erschienene Novelle "The Jewel of the Seven Stars" die damaligen Drehbuchautoren ebenfalls beeinflusst haben könnten, waren es die Ereignisse um die Öffnung des Tutanchamun-Grabes, die als Hauptinspiration dienten. Bis in die fünfziger Jahre hinein entstanden 5 "Mummy"-Sequels.

Ein weiterer Grund für den Mumien-Stoff könnten die 2013 und 2014 erschienenen Filme "I, Frankenstein" und "Dracula Untold" sein, die von Publikum und Kritikern eher negativ aufgenommen wurden, während die Wiederbelebung der Mumie es zuletzt auf zwei Sequels und mehrere Spin-Offs brachte.

Während der 1932er-Film und Stephen Sommers erfolgreiches Reboot (1999) sich auf einen männlichen Mumien-Charakter konzentrieren, schuf Bram Stoker bereits in seiner Novelle mit Queen Tera eine an die reale Pharaonin Hatshepsut erinnernde weibliche Figur, die im "Dark Universe" in Königin Ahmanet eine Wiedergängerin findet - wohl auch aus der Erwägung heraus, sich nicht zu offensichtlich an Stephen Sommers Neuverfilmung orientieren zu wollen. Verkörpert wird Ahmanet von Sofia Boutella, die man bereits in "Star Trek: Beyond" und "Kingsman: The Secret Service" bewundern konnte.

Russel Crowe als Dr. Jeckyll. © Universal Pictures

Eine zentrale, filmübergreifende Rolle im Dark Universe scheint die, in den klassischen Universal-Horror-Filmen abwesende Figur des Dr. Jekyll einzunehmen, gespielt von Russel Crowe. Seine Funktion wird bereits mit der von Nick Fury in den Marvel-Filmen verglichen. Dr. Jekyll ist der undurchsichtige Kopf der Geheimorganisation Prodigium, "which essentially is an organization that pinpoints evil and tries to neutralize it." (Russel Crowe) Dr. Jekyll versucht nicht nur die Welt vor Monstern zu beschützen, sondern auch die Monster vor der Welt.

Ebenfalls bekannt ist, dass in den folgenden Filmen "Bride of Frankenstein" und "The Invisible Man" Javier Bardem Frankensteins Monster verkörpern wird und Johnny Depp den Unsichtbaren. Als Regisseur der "Bride" konnte Bill Condon gewonnen werden, der Fans durch die "Twilight"-Filme, "Beauty and the Beast" oder "Candyman 2" bekannt sein könnte, vor allem aber wohl aufgrund seines Dramas "Gods and Monsters" über die letzten Tage James Whales, Regisseur des Originals, engagiert wurde.

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